Dieses Wochenende waren wir mal wieder völlig im Freizeitstress. Am Freitag machten wir uns auf den Weg zu einer “Hacienda”, die sich 40 km südlich von Mérida befindet. Diese Hacienda (übersetzt: Landgut) baut Henequén an. Diese Kaktusart der Sorte Agave, besteht aus sehr dünnen aber sehr starken Fasern, die getrocknet werden und zu Schnüren und Seilen in allen Längen und Stärken weiterverarbeitet werden. Es war eine ziemlich interessante Tour über das Landgut und durch die Fabrikhallen, denn man konnte wirklich jeden Schritt verfolgen. Es war uns auch möglich einen Blick in die Maschinen zu werfen, denn von Arbeitsschutzmaßnahmen hält man hier nicht viel. Alle Zahnräder, Riemen und Nockenwellen waren unverkleidet und gut sichtbar. Nach der Besichtigung der Hallen wurden wir auf einem Karren, welcher von einem Muli gezogen wurde, zu einem Haus der Arbeiter kutschiert. Anscheindend gibt es in diesen Seilfabriken traditionell nur Mayastämmige Arbeiter, denn als die Spanier früher in Mexiko eingefallen sind, versklavten sie die indigene Bevölerung und ließen sie für sich arbeiten, da sie besser mit der Hitze zurecht kamen. Diese haben dann widerrum ihre Erfahrungen der Faserverarbeitung an ihre Nachfahren weitergegeben. Heutzutage bekommen die Arbeiter natürlich Geld, was sie aber nicht daran hindert in kleinen Lehmhäusern mit Strohdächern zu leben. Man könnte jetzt annehmen, das diese Zeit in Mexiko vorbei ist,
aber tatsächlich existieren hier ganze Dörfer die nur aus diesen Gebäuden bestehen. Geschlafen wird in Hängematten und gekocht wird über einem Lagerfeuer im Hof. Ein Plumpsklo und der Brunnen im Garten ist so ziemlich der größte Luxus den manche Hüttenbesitzer ihr Eigen nennen dürfen. Danach ging es mit Maultier und Karren weiter zu einer Cenote, welche diesmal völlig unterirdisch in einer kleinen Höhle zu finden war. Nach dieser angenehmen Erfrischung hat uns der Grundbesitzer noch ein leckeres yucatekisches Menü serviert und dann ging es nach Hause. Abends waren wir in einer Karaokebar und ham bis morgens um halb 5 durchgefeiert.
Völlig verkatert und gerädert sind wir am nächsten Tag zu einer klassischen Höhlentour aufgebrochen, in die Grotten von Calcehtok. Leider gibt es hiervon nicht viele Bilder, aber alle ,die schonmal in einer Nichtbesucherhöhle waren, können verstehen, dass man in diese viel zu enge und von Sedimenten überlagerten Gänge nicht unbedingt eine Digicam mitnehmen kann. Danach ist man nämlich total verdreckt und ich vermute die Kamera wäre hin gewesen.
Rainer wenn du das hier liest, wirst du bestimmt grün vor Neid, denn unter Yucatan befindet sich eines der größten Höhlensysteme der Erde und ich hab noch viele Wochenenden um einige davon erforschen und befahren zu können. Nach der Höhle ging es wieder in eine Cenote, diesmal war sie aber ein wenig schwieriger zu finden denn sie befand sich in einem Garten. Die Besitzer dieses Grundstücks wollten eingentlich nur einen Brunnen in ihrem Garten bohren und sind zufällig auf eine Cenote gestoßen. Diese war bei weitem nicht so schön wie die etwas touristischeren Cenoten, aber zum Waschen und abkühlen reichte sie. Und seien wir mal ehrlich, gegen ein natürliches Privatschwimmbad unter meinem Haus mit ganzjährlich 24° warmem Wasser hätte ich auch nichts einzuwenden.
Heute gehen wir ein bisschen im Stadtpark klettern. Deswegen muss ich mich jetzt leider etwas kürzer fassen, damit wir auch noch zeitig loskommen. In diesem Sinne “Hasta luego y muchos saludos a mi familia y mis amigos en alemania!”
