Am letzten Wochenende lud unsere Uni alle Spanischstudenten zu einer Tagestour zur Cenote Ik’Kil und Chichén Itzá ein. Dieses Wochenende war ein ganz besonderes Wochenende für die Mayakultur, denn es war Frühlingsanfang. “Frühlingsanfang? Was soll daran schon besonders sein? Das haben wir auch!” mag sich nun der eine oder andere denken, aber wenn man sich mal überlegt, welch astronomisches Wissen dieses Volk vor ca. 2500 Jahren schon hatte, ist das schier unglaublich. Ich erklär das jetzt mal kurz.
Dzibilchaltún ist eine der größten Ausgrabungsstätten in Nordyucatan. Die 16 Quadratkilometern und ca. 8000 Gebäude die bei der Vermessung aufgezeichnet wurden, konnten wir zwar nicht komplett ablaufen, aber dafür war es uns möglich an diesem Morgen ein echt faszinierendes Spektakel mitzuerleben. Die Mayas wussten schon lange vor uns, dass sich die Erde um die Sonne bewegt und das dieser Umstand irgendwie für die Jahreszeiten verantwortlich ist. Also haben sie in Dzibilchaltún einen Tempel errichtet, durch dessen Fenster jedes Jahr bei Frühlings- und Herbstbeginn die Sonne genau durch das große Fenster in der Mitte des Gebäudes scheint und die kerzengerade Straße vor dem Tempel komplett mit Licht ausfüllt. Wenn man bedenkt, dass wir bis zum Ende des 15. Jahrhunderts noch dachten die Erde sei eine Scheibe und erst später merkten, dass wir uns um die Sonne drehen und nicht umgekehrt, ist das schon erstaunlich. Um das sehen zu können sind wir mal eben um 4 Uhr aufgestanden.
In Chichén Itza kann man ein ähnliches Phänomen beobachten. Nur findet dieses Spektakel hier bei Sonnenuntergang statt. Einer der höchsten Götter der Maya namens Kukulcán, der durch das Symbol einer Schlange dargestellt wird, steht hier im Vordergrund. Zwei mal im Jahr zur Tagundnachtgleiche versinkt die eine Seite der Pyramide vollständig im Schatten. Nur der Rand der Treppe wird noch beleuchtet und auf ihm erscheinen die Umrisse der Stufen der Pyramide und vereinen sich am Fußende mit einem Schlangenkopf zu einer riesigen Schlange, wirklich beeindruckend.
Da wir uns zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang noch die Zeit vertreiben wollten und es wirklich saumäßig warm war, hielten wir uns an diesem Tag noch an der Cenote Ik’Kil auf. Eine Cenote ist einfach ein Loch im Fels, welches durch den Einsturz einer Höhle entstanden und mit Süß- oder Salzwasser gefüllt ist. Einige von ihnen führen auch beide Sorten von Wasser, aber diese sind nur für Taucher zugänglich.
Unsere Cenote jedenfalls war nur mit Süßwassergefüllt und ca. 50 Meter tief.
Wir hatten einen supergenialen Tag, waren aber am Ende auch völlig platt.